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Zum Rhythmus afrikanischer Trommeln in Zeiten von Corona

Zum Rhythmus afrikanischer Trommeln in Zeiten von Corona

Uganda mal anders (?)

Corona geht uns alle was an. Jeden von uns trifft es auf ganz verschiedene Weise. Lisa hat ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der globalen Krise am anderen Ende der Welt gemacht. Als dürften wir ihre Gedanken lesen... Sie nimmt uns mit in ihre Wahrnehmung und erzählt uns, was ihre Reise während dieser verunsichernden Zeit mit ihrer Familie und ihren Freunden gemacht hat, welche Sorgen sie sich um die Menschen in Uganda macht, und wie ihre eigene Stimmung hin und her schwankte. Wie erlebte Lisa die Pandemie, so weit weg von Zuhause? Uganda mal anders? Oder doch unverändert? Auf ins Abenteuer durch die Höhen und Tiefen von Lisa's Geschichte...

"Es wehte ein kühler Wind und doch war die Nacht warm genug, sodass sich einige Leute auf der kleinen, gemütlichen Bar und Dachterrasse über Kampala eingefunden hatten. Von hier aus hatte man einen weiten Blick über die nächtlich leuchtende Stadt und ich mochte den Ort, denn obwohl wir uns auf einem Hotel befanden, waren viele Einheimische hier. Aber etwas war heute anders: Auf der Terrasse, zu der ich gekommen war, um endlich den vielen Empfehlungen nachzugehen und fesselnde Livemusik über den Dächern Kampalas zu hören, gab es lediglich leise Hintergrundmusik aus großen Boxen. Schon seit Tagen führte ich Diskussionen mit meiner Familie und meinen Freunden zuhause, denn die Coronakrise hatte ihren Alltag schon fest im Griff und sie drängten fast einstimmig, ich solle schnellstmöglich zurückkommen. Es war mein erstes Mal im subsaharischen Afrika und im vergangenen Monat hatte ich unglaublich viel über das Land, die Kultur und die Leute gelernt, ich fühlte mich wohl und war noch nicht bereit zu gehen. Vor allem aber war ich nicht bereit den unzähligen Kommentaren von Leuten nachzugeben, die weder jemals hier gewesen waren, noch sich mit dem Land auseinandergesetzt hatten und glaubten ein Artikel mit der Headline „Afrika ist nicht bereit für die Coronakrise“ wäre die einzige und glaubwürdigste Quelle, die es zu berücksichtigen gab. Ich hatte also spontan entschieden, meine geplante Safari vorzuziehen und die letzten drei Tage im wunderschönen Nationalpark Murchison Falls verbracht.

Dort lernte ich Jack kennen, der mich heute Abend auf dieses Dach eingeladen hatte und obwohl es unser erstes Date war, fühlte es sich so an, als kannten wir uns schon seit Ewigkeiten - wie immer beim Reisen. Er merkte, dass mir kalt geworden war und nahm mich in den Arm. Jack würde morgen zurückfliegen, übermorgen sollten die ersten Airlines ihre Routen aus und nach Uganda schließen und schon bald würde es keine Möglichkeit mehr geben, heimzukommen. Die letzten Tage waren unglaublich verwirrend gewesen. In einem alten Van waren wir durch atemberaubende Landschaften gefahren, hatten wilde Elefanten und Giraffen in den grünen Hügeln beobachtet und dabei Ugandas neueste Hitliste auf- und abgehört.

Und während Begeisterung meinen Körper mit Glücksgefühlen flutete und ich mich komplett in die afrikanischen Rhythmen verliebte, waren meine Gedanken nur um das Thema Coronavirus gekreist und ich wusste, dass es jedem so ging, der gerade nicht zuhause war. Und so ging es mir auch jetzt, während wir Arm in Arm in die Ferne schauten. In Kampala hatte man bis heute kaum etwas von einer „globalen Krise“ gespürt. Offiziell gab es noch keinen einzigen Erkrankungsfall in Uganda, doch alle Nachbarländer waren schon betroffen. Es war also nur noch eine Frage der Zeit, bis auch hier erste Meldungen öffentlich wurden. Vor einer Stunde hatte nun der Präsident in einer groß angekündigten Rede an das Volk erste Maßnahmen ergriffen und unter anderem Events und Versammlungen verboten. Damit war nicht nur unsere Livemusik spontan abgesagt, sondern auch Millionen von Ugander in Ungewissheit und Angst versetzt. Denn während das Virus das Land möglicherweise nicht wie Europa treffen würde - die Bevölkerung ist hier deutlich jünger - könnte ein Lockdown fatal enden. Der Großteil der Bewohner Ugandas hat kaum Erspartes. Viele bezahlen ihre Nahrung mit dem Geld, das sie am selben Tag verdienen. Wird also das tägliche Geschäft eingeschränkt, leiden darunter die Schwächsten und das ohne jegliche Absicherung durch den Staat!

Jack sah mir in die Augen, „What are you thinking about?”. Ich mochte ihn, er war groß, kräftig und hatte guten Humor. “Nothing”. Plötzlich gesellte sich zum leisen Rauschen des Windes das dumpfe, volle Geräusch einer Trommel und meine Gedanken waren zurück auf der Terrasse. Eine Gruppe Ugander direkt neben uns hatte angefangen zu musizieren und es dauerte nicht lange, bis eine Gitarre und eine weiche, dunkle Stimme miteinstimmten. Selten hatte ich Menschen erlebt, die ein so unglaubliches Gefühl für Rhythmus und Musik hatten wie die Ugander. Ich spürte das Vibrieren der Trommelschläge im ganzen Körper, atmete die klare Nachtluft und während ich den vielleicht besten ersten Kuss meines Lebens hatte, erinnerte ich mich, dass das Schönste am Reisen das Hier und Jetzt war.

Wenn mich das Reisen eines gelehrt hat, dann ist es, jeden Augenblick in vollen Zügen zu genießen. Viel zu oft sind wir in Gedanken und lassen die besten Erlebnisse einfach an uns vorbeiziehen. Ich hoffe mit meinem Text nicht nur Neugierde auf das unglaubliche Uganda zu wecken, sondern auch Leute dazu zu motivieren, ganz bewusst im Hier und Jetzt zu leben. Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen Ungewissheit und Angst oft unseren Alltag dominieren, sollten wir jeden noch so kleinen schönen Moment in vollen Zügen auskosten, anstatt uns Gedanken über mögliche Horrorszenarien zu machen.

Ich liebe nichts mehr als ein neues Land mit all meinen Sinnen ganz bewusst kennenzulernen. Für mich ist das Reisen die erfüllendste, lehrreichste Beschäftigung überhaupt. Als Studentin habe ich jedoch nur ein beschränktes Budget und würde mich daher unendlich über die Flyla Reise nach Südostasien freuen. Mitnehmen würde ich @kayda, die das Leben genauso genießt wie ich und die Reise mit mir voll auskosten würde."

Lisa's Achterbahnfahrt der Emotionen ist wohl die aktuellste Geschichte, die ich für #flylametosoutheastasia bekommen habe. Gut geschrieben ist sie auch. Habt ihr gerade die Gewinner Story gelesen? Hat euch eine andere besser gefallen? Hast du vielleicht selbst eine bessere? Ich bin neugierig wie noch nie und hab ein offenes Ohr für Neues...